Fachliches Lernen und sprachliches Lernen bewusst miteinander verbinden
Guter Unterricht beginnt mit gutem Verstehen. Und Sprache ist der Schlüssel!
Sprachliche Herausforderungen – zwischen Alltagssprache und Fachsprache
Internationale Auszubildende bringen häufig ein hohes Maß an Motivation, Lernbereitschaft und Engagement mit. Im Unterricht zeigt sich allerdings immer wieder, dass fachliche Inhalte nicht ohne Unterstützung verstanden werden. Der Grund liegt dabei oft nicht in den fachlichen Inhalten selbst, sondern in der Sprache, mit der fachliches Lernen verbunden ist.
Denn im Unterricht genügt es nicht, sich im Alltag verständigen zu können. Lernende müssen Aufgabenstellungen erfassen, Fachtexte verstehen, Zusammenhänge einordnen, Begriffe unterscheiden und Inhalte sprachlich angemessen wiedergeben. Dafür reicht Alltagssprache allein nicht aus. Gefordert wird vielmehr ein sicheres Verstehen von Bildungssprache und Fachsprache – und genau das stellt viele internationale Auszubildende vor erhebliche Herausforderungen.
Ein Sprachzertifikat auf B2-Niveau ist dafür eine wichtige Grundlage, reicht jedoch häufig nicht für erfolgreiches Lernen im Unterricht aus. Denn Sprachkurse vermitteln in erster Linie alltagsbezogene Standardsprache. Die sprachlichen Anforderungen der Pflegeausbildung gehen jedoch deutlich darüber hinaus.
Merkmale von Alltags-, Bildungs- und Fachsprache:

Sprachsensibler Unterricht – was bedeutet das eigentlich?
Sprachsensiblen Unterricht gestalten
Sprachsensibler Unterricht verbindet fachliches und sprachliches Lernen konsequent miteinander. Sprache ist dabei nicht nur Mittel zur Vermittlung von Inhalten, sondern eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Lernen, Verstehen und fachliche Entwicklung überhaupt gelingen können.
Gerade in der Pflegeausbildung ist das von besonderer Bedeutung. Fachliche Inhalte sind häufig komplex, sprachlich verdichtet und ohne gezielte Unterstützung nicht für alle Lernenden gleichermaßen zugänglich. Sprachsensibler Unterricht greift diese Herausforderung auf, ohne fachliche Ansprüche zu reduzieren.
Sprache als Lernvoraussetzung
Sprachsensibler Unterricht bedeutet nicht, Unterricht zu vereinfachen. Es geht vielmehr darum, sprachliche Anforderungen im Fachunterricht bewusst wahrzunehmen, sie transparent zu machen und Lernende beim Verstehen und Verwenden der erforderlichen Sprache gezielt zu unterstützen.
Schon kleine Veränderungen in der Unterrichtsgestaltung können dabei viel bewirken.
Grundlagen des sprachsensiblen Unterrichts
Sprachgebrauch der Lehrkraft
- Klare und verständliche Sprache verwenden
- Kurze und eindeutig formulierte Sätze nutzen
- Fachbegriffe schrittweise einführen und erklären
- Wichtige Inhalte sprachlich hervorheben und wiederholen
- Zwischen Alltags- und Fachsprache bewusst vermitteln
Arbeitsaufträge und Materialien
- Arbeitsaufträge klar strukturieren und formulieren
- Aufgaben in einzelne Handlungsschritte gliedern
- Visualisierungen, Symbole und Beispiele einsetzen
- Zentrale Informationen übersichtlich hervorheben
Wortschatzarbeit und Fachsprache
- Pflegerischen Fachwortschatz gezielt aufbauen
- Neue Begriffe im praktischen Kontext anwenden
- Wortlisten, Satzbausteine und Formulierungshilfen bereitstellen
- Fachsprache regelmäßig wiederholen und festigen
Lernen und Interaktion
- Verständnis regelmäßig überprüfen
- Ausreichend Zeit für Fragen und sprachliche Verarbeitung geben
- Austausch und aktive Beteiligung fördern
- Eine wertschätzende und unterstützende Lernatmosphäre schaffen
Für die Praxis
Die folgenden Beispiele zeigen nur einen Aspekt sprachsensiblen Arbeitens: Durch gezielte Visualisierungen werden Fachbegriffe und Arbeitsaufträge so aufbereitet, dass das Verständnis gefördert und der Zugang zu fachlichen Inhalten erleichtert wird.
Im Blog finden Sie von Zeit zu Zeit ausgewählte Materialien, Checklisten und kleine Arbeitshilfen zum kostenlosen Download.
Auszug: Strukturlegekarten Ganzkörperpflege

Wortschatztafeln für den ersten Fachwortschatz

Wort-Bild-Karte erstellt mit Microsoft Copilot
